B2B-Marketing für KMU: Auf die Liste kommen, bevor der Kunde anruft
✓12 Aussagen mit Quellen geprüftDie Folge auf einen Blick
0:00 / 1:38:5294 % der Einkaufsteams haben ihre Wunschanbieter schon gerankt, bevor sie überhaupt Kontakt aufnehmen – B2B-Marketing funktioniert anders als B2C. Laurin und Shahab zeigen, wie du auf die Shortlist kommst: vom richtig gerechneten Customer Lifetime Value über Google Ads ohne Streuverluste bis zu Website, Preisen, LinkedIn, YouTube und Newslettern. Dazu die 5/95-Regel: Die 5 % Kaufbereiten bezahlen deine Miete, die 95 % bezahlen deine Zukunft.
Das Wichtigste in Kürze
- Im B2B führt Marketing nicht zum direkten Kauf, sondern auf die Shortlist – 94 % der Einkaufsteams haben ihre Favoriten gerankt, bevor sie Kontakt aufnehmen.
- Ohne sauber berechneten Customer Lifetime Value wirkt B2B-Marketing unrentabel – aus einer 500-€-Erstbestellung können über fünf Jahre 30.000 € Umsatz werden.
- Nur rund 5 % deiner Zielgruppe sind gerade kaufbereit: Die 5 % bezahlen deine Miete, die 95 % bezahlen deine Zukunft – du brauchst für beide eine Strategie.
- KI-Suchen beeinflussen B2B-Entscheidungen massiv und tauchen oft nicht im Tracking auf – frag deshalb schon im Anfrageformular, woher der Kontakt kommt.
- Teure erste Klicks relativierst du durch Remarketing über günstige Kanäle wie YouTube, wo ein View nur 2 bis 4 Cent kostet.
- Dein bester Verkäufer sitzt beim Kunden im Unternehmen – gib ihm teilbaren Content, mit dem er dich intern rechtfertigen kann.
B2B-Marketing wird gern als „B2C mit Krawatte" abgetan – und genau das ist der Fehler. Sobald Unternehmen deine Kunden sind, gelten andere Regeln: längere Entscheidungswege, mehrere Entscheider, teurere Klicks und ein Kaufprozess, der größtenteils stattfindet, bevor du überhaupt davon erfährst. Das betrifft nicht nur Konzerne: Auch die Bäckerei mit der Brötchenplatte fürs Meeting oder die kleine Agentur macht B2B-Marketing. Das Problem: Die meisten Marketing-Tipps da draußen sind für Endkunden gemacht. In dieser Folge liefern Laurin und Shahab die Übersetzungsschicht.
„Im B2B-Marketing ist das Ziel nicht, wie im B2C-Marketing direkt eine Antwort zu erzeugen, direkt zum Beispiel die Anfrage zu generieren, sondern im ersten Schritt auf die Liste zu kommen.“
Laurin KorinthenbergHost · Profil ansehenLaurin erklärt den Kernunterschied zwischen B2C- und B2B-Marketing.
„Es gab so eine aktuelle 6sense-Studie, da ist herausgekommen, dass 94 % der Einkaufsteams ihre Wunschanbieter schon gerankt hatten, bevor sie überhaupt jemanden kontaktiert hatten.“
Shahab YarahmadiHost · Profil ansehenShahab belegt mit Zahlen, wie früh B2B-Kaufentscheidungen fallen.
Der Kernunterschied: Du willst auf die Liste
Im B2C-Marketing erzeugt gutes Marketing eine direkte Antwort – den Kauf, die Anfrage. Im B2B ist die Antwort auf dein Marketing meistens unsichtbar: Du wirst auf eine Liste gesetzt. Eine 6sense-Studie zeigt, dass 94 % der Einkaufsteams ihre Wunschanbieter bereits gerankt hatten, bevor sie überhaupt jemanden kontaktierten. Wer dich anruft, hat sich also oft schon weitgehend entschieden – du musst ihn nicht mehr überzeugen, du darfst nur nichts falsch machen.
„Und der muss das halt immer intern verkaufen, argumentieren können. Und wo er das beste Gefühl hat, gewinnt. Und nicht unbedingt, wer immer faktisch der Beste ist.“
Shahab YarahmadiHost · Profil ansehenÜber das Buying Center und warum der am besten rechtfertigbare Anbieter gewinnt.
Dazu kommt das Buying Center: Recherchiert hat vielleicht der Werkstudent, entschieden wird vom Marketingleiter und Geschäftsführer. Deshalb gewinnt am Ende oft nicht der faktisch beste Anbieter – das kann von außen niemand beurteilen –, sondern der, den der Mitarbeiter am besten intern rechtfertigen kann. Die Konsequenz: Stelle Ressourcen bereit, die es dem Recherchierenden leicht machen, dich zu argumentieren – Whitepaper, Rechner, Vergleiche, teilbarer Content.
Ohne Customer Lifetime Value rechnest du dich kaputt
B2B-Kaufzyklen dauern drei Monate bis ein Jahr. Und oft kommen erst mehrere kleine Deals, bevor der große entsteht. Shahabs Rechenbeispiel aus der Verpackungsbranche: 3.000 € Google-Ads-Budget bringen 10 Leads à 300 €, daraus wird ein Kunde mit einer Probebestellung von 500 €. Auf den ersten Blick ein Minusgeschäft – viele schalten an diesem Punkt ab. Wenn dieser Kunde aber monatlich nachbestellt, stehen über fünf Jahre schnell 30.000 € Umsatz auf der Uhr. Und das ohne Wachstum gerechnet – manche dieser Kunden werden groß und bestellen irgendwann für 10.000 € im Monat.
„Ich würde sagen, nur 5 % deiner Kunden würden aktiv suchen nach einem Dienstleister. In der Regel haben sie schon jemanden. Aber für diesen kleinen Anteil, der gerade auf der Suche ist, ist ein enormer Wettbewerb.“
Shahab YarahmadiHost · Profil ansehenWarum B2B-Klickpreise so hoch sind.
„In 9 von 10 Fällen war es ChatGPT bzw. Claude: Die haben euch ausgespielt, konkret auf meine Frage für meine Branche in dem Abrechnungsmodell.“
Laurin KorinthenbergHost · Profil ansehenLaurin berichtet, dass fast alle aktuellen Agentur-Anfragen über KI kamen.
„Das taucht teilweise in deinen Tracking-Daten, in Google Analytics zum Beispiel, gar nicht auf, dass sie über ChatGPT gekommen sind. Die rufen dich einfach an, weil du erwähnt wurdest.“
Shahab YarahmadiHost · Profil ansehenWarum KI-getriebene Anfragen im Tracking unsichtbar bleiben.
Deshalb die Kernregel: Kenne deine Zahlen fast auf den Euro genau. Was darf ein Lead maximal kosten – nicht basierend auf dem ersten Auftrag, sondern auf dem gesamten Customer Lifetime Value inklusive Folgeaufträgen? Und vergiss die Retention nicht: Ein Kunde, der einmal gekauft hat, bleibt nicht automatisch. Du musst ihn aktiv erinnern – gerade weil die Kundengewinnung im B2B so teuer ist.
Warum B2B-Klicks so teuer sind
Nur etwa 5 % deiner Zielgruppe suchen aktiv nach einem Anbieter – die meisten haben bereits einen. Auf diesen kleinen Anteil konzentriert sich der gesamte Wettbewerb, entsprechend hoch sind die Klickpreise. Bei LinkedIn Ads mit präzisem Entscheider-Targeting zahlst du 4 bis 13 € pro Klick. Dazu kommt das Streuverlust-Problem: Wer „Verpackungsmaterial" googelt, ist zu 95 % Endkunde – die teuren Fehlklicks musst du einkalkulieren.
„Die 5 %, die jetzt gerade kaufbereit sind, bezahlen deine Miete. Aber die 95 %, die noch nicht kaufbereit sind, die du vorbereiten musst – die bezahlen deine Zukunft.“
Laurin KorinthenbergHost · Profil ansehenLaurins Formel für die zwei Zielgruppen im B2B-Marketing.
Die Gegenstrategie: Markiere den teuer eingekauften Besucher nach dem ersten Klick als Zielgruppe und sprich ihn über günstigere Kanäle wieder an – Display, YouTube, Video. So relativierst du die hohen Kosten des ersten Touchpoints über viele günstige Folgekontakte.
KI verändert die B2B-Recherche – und macht dein Tracking blind
Ein Praxiswert aus der Agentur der Hosts: Rund 90 % der letzten Anfragen kamen über ChatGPT oder Claude. Eine US-Studie bestätigt den Trend – etwa 48 bis 50 % der Befragten nutzten die KI-Suche, bevor sie ein Unternehmen kontaktierten. Das Problem: Diese Kontakte tauchen in Google Analytics oft gar nicht auf. Die Leute informieren sich in der KI, klicken nicht, sondern rufen dich einfach an.
Deshalb: Frage so früh wie möglich, woher der Kontakt kommt – am besten direkt im Anfrageformular, nicht erst im Telefonat. Denn die erste Anfrage stellt oft die recherchierende Person, das Gespräch führst du später mit dem Entscheider – und der weiß gar nicht mehr, wo sein Team dich gefunden hat.
Die 5/95-Regel: Wer bezahlt was?
Laut einer LinkedIn-Studie sind nur 5 % der Unternehmen gerade kaufbereit, 95 % nicht. Laurin bringt es auf die Formel: Die 5 % bezahlen deine Miete, die 95 % bezahlen deine Zukunft. Du brauchst also zwei Strategien – eine, um die akut Kaufbereiten einzufangen, und eine, um bei den anderen 95 % im Kopf zu bleiben, damit sie dich gar nicht erst suchen müssen, sondern dich direkt oben auf ihre Liste setzen.
Google Ads: So vermeidest du Streuverluste
Für die kaufbereiten 5 % führt kein Weg an der Suche vorbei. Shahabs Tipps gegen teure Fehlklicks:
- Anzeigen klar formulieren: Kommuniziere „nur für Geschäftskunden". Die Klickrate sinkt und der CPC steigt etwas – aber lieber weniger Klicks als schlechte Klicks.
- Negative Keywords von Anfang an: Begriffe wie „kleine Mengen" oder „zum Verschenken" proaktiv ausschließen.
- Remarketing-Suchkampagne: Breite, eigentlich zu teure Keywords kannst du dir leisten, wenn du nur an Personen ausspielst, die nachweislich schon im B2B-Bereich deiner Website oder auf der Messe waren. Achtung: Die Liste braucht mindestens 1.000 Personen.
- Finger weg von PMax im B2B: Wenn Google selbst experimentiert und 98 % der Suchanfragen B2C sind, wird es sauteuer.
Beim Thema automatisiertes Bieten mit Conversion-Rückmeldung sind die Hosts geteilter Meinung – zu Recht: Google braucht mindestens 15 Conversions in 30 Tagen, um sinnvoll zu optimieren, und Offline-Conversions kannst du nur innerhalb von 90 Tagen nach dem Klick hochladen. Bei langen Sales Cycles und wenig Volumen hilft ein früheres Qualifizierungssignal (z. B. „erfolgreiches Erstgespräch") – oder eben doch die manuelle Optimierung.
„Wenn du keinen Preis auf der Seite nennst, wirst du nicht seriöser, du wirst übersprungen.“
Laurin KorinthenbergHost · Profil ansehenLaurins klare Position zur Preiskommunikation auf der Website.
Die Website muss verkaufen – auch ohne Vertrieb
Laut Gartner bevorzugen 67 % der B2B-Einkäufer einen Kaufprozess ganz ohne Vertriebsmitarbeiter. Mach es ihnen leicht: echter B2B-Shop, reibungsloser Checkout, nicht nur Rechnungskauf. Und denke jede Zielgruppe im Buying Center mit – eine Sektion zur Amortisation für den Geschäftsführer, Vertragslaufzeit und Preis für den Einkauf, Datenschutz und AVV für die IT.
Beim Preis sind sich beide einig: Wer keinen Preis nennt, wirkt nicht seriöser – er wird übersprungen. Selbst wenn kein Pauschalpreis möglich ist, hilft ein Beispielprojekt oder ein Ab-Preis. Der Ankereffekt schützt dich zusätzlich: Wer deinen Preis kennt und trotzdem anfragt, handelt dich im Erstgespräch deutlich seltener runter.
Verzeichnisse, Microsoft Ads und Messen
Nicht jeder sucht auf deiner Website: Portale wie „Wer liefert was", Capterra, OMR Reviews, G2 oder Sortlist gehören dazu. Insider-Tipp: Frag ChatGPT nach den besten Anbietern deiner Branche und schau, welche Quellen zitiert werden – genau dort solltest du gelistet sein. Microsoft Ads lohnt sich im B2B ebenfalls: 8 bis 9 % Marktanteil auf dem Desktop, und viele Unternehmen haben Edge als Standardbrowser. Und Messen bleiben Gold wert – ein Berührungspunkt in der echten Welt ist zehnmal wertvoller als ein digitaler Klick. Sorge dafür, dass Besucher mindestens deine Website aufrufen, damit dein Retargeting greift.
Die 95 % erreichen: Social Selling, LinkedIn, YouTube
Menschen kaufen von Menschen, nicht von Firmennamen. Deshalb funktioniert Social Selling über die Person des Geschäftsführers besser als generische Unternehmensposts – auf LinkedIn, aber zunehmend auch auf Instagram und YouTube. LinkedIn Ads bleiben trotz hoher Preise das präziseste B2B-Targeting: Branche, Unternehmensgröße, Jobtitel, sogar konkrete Unternehmenslisten (ab 300 Kontakten).
„Google verwendet YouTube sehr oft in der AI Overview, wenn es darum geht, was zu zitieren. Das ist die meistzitierte Quelle von Google.“
Shahab YarahmadiHost · Profil ansehenWarum YouTube-Videos deine Zitierfähigkeit bei KI erhöhen.
YouTube ist der unterschätzte Kanal: die zweitgrößte Suchmaschine, die meistzitierte Quelle in Googles AI Overview – und extrem günstig in der Ausspielung. Views kosten teilweise nur 2 bis 4 Cent. Wenn der erste Klick 5 bis 8 € gekostet hat, hältst du den Kontakt über Monate für ein paar Cent pro Impuls warm. Erstelle dabei teilbaren Content – denn dein bester Verkäufer sitzt nicht bei dir, sondern beim Kunden im Unternehmen und braucht Material, um dich seinem Chef zu verkaufen.
„Ein guter Newsletter in 2026 ist geschrieben und sieht aus wie eine persönliche Mail, einfach nur Text. Vom Geschäftsführer persönlich.“
Laurin KorinthenbergHost · Profil ansehenLaurins Regel für Newsletter, die tatsächlich gelesen werden.
Newsletter: wie eine persönliche Mail, nicht wie eine Mini-Website
E-Mails werden im B2B noch gelesen – wenn du es richtig machst. Laurins klare Ansage: Ein guter Newsletter 2026 sieht aus wie eine persönliche Mail vom Geschäftsführer, einfach nur Text. Keine blaue Headerleiste, kein Website-Layout. Der Mehrwert muss direkt in der Mail stehen; Links zu Video oder Blog sind Option, nie Voraussetzung. Und Vorsicht mit der Frequenz: Sinkende Öffnungsraten führen in den Spam-Ordner – und Kaltakquise über dieselbe Domain kann dir den gesamten Verteiler verbrennen, wie ein Kundenbeispiel von Shahab zeigt.
MQL vs. SQL, CRM und Empfehlungen
Wenn Marketing und Vertrieb sich gegenseitig die Schuld geben, hilft nur sauberes Buchführen: Halte in einem CRM zentral fest, warum Leads abspringen. „Falsche Branche" ist ein Marketing-Problem, „nicht erreicht" eher ein Vertriebsprozess-Problem – so klärst du den Streit schwarz auf weiß. Und rechne organische Empfehlungen in deine Kundenwerte ein: Aus 10 Neukunden entstehen im Folgejahr oft 2 bis 3 weitere per Weiterempfehlung. Nachhelfen kannst du mit der offenen Frage: „Kennst du jemanden, der gerade da steht, wo du vor einem halben Jahr warst?"
Fazit
B2B-Marketing heißt: kleinere Zielgruppe, zahlungskräftigerer Wettbewerb, längere Zyklen – und ein Kaufprozess, der vor deinem ersten Kontakt entschieden wird. Kenne deinen Customer Lifetime Value, fange die 5 % Kaufbereiten sauber ein, investiere systematisch in die 95 %, die später kaufen, und gib den Menschen im Buying Center Material an die Hand, mit dem sie dich intern verkaufen können. Dann stehst du ganz oben auf der Liste, wenn das Telefon klingelt.
Der B2B-Rechner: Was darf dich ein Lead wirklich kosten?
Rechne mit deinen eigenen Zahlen nach, warum sich B2B-Marketing oft erst über den Customer Lifetime Value lohnt: Du siehst, was ein Lead und ein Neukunde kosten, wie viel Minus die Erstbestellung macht – und was der Kunde dir über die Jahre wirklich bringt.



