Freelancer oder Agentur? Die ehrliche Entscheidungshilfe für KMU
Freelancer oder Agentur – welcher Marketing-Partner passt zu deinem Unternehmen? Laurin und Shahab kennen beide Seiten aus eigener Erfahrung: als Freelancer, Agenturgründer und Auftraggeber. In dieser Folge bekommst du eine klare Entscheidungsmatrix, echte Insider-Einblicke in Agentur-Margen und konkrete Red Flags für die Dienstleisterwahl.
Das Wichtigste in Kürze
- Wer Freelancer beauftragt, muss selbst briefen, organisieren und Qualität bewerten können – eine Agentur liefert das Projektmanagement mit, kostet dafür aber mehr.
- Viele Agenturen verkaufen Leistungen weiter, die sie selbst nicht beherrschen: Sie kaufen Experten günstig ein und schlagen eine hohe Marge drauf – der direkte Weg zum Experten liefert oft bessere Performance.
- Ein wirklich guter Freelancer ist um Welten besser als eine mittelmäßige Agentur – am Ende entscheidet immer die Qualität, nicht das Label.
- Das Content-Team gehört ins Unternehmen, weil es Marke und Produkt leben muss – Spezialgebiete wie Google Ads, SEO oder Affiliate kannst du gut an Freelancer auslagern.
- Eine Spezialagentur ergibt vor allem dann Sinn, wenn ein Kanal überlebenswichtig ist und Vertretung bei Krankheit und Urlaub gesichert sein muss.
- Red Flags bei Dienstleistern sind überzogene Erfolgsversprechen und geschönte Reportings – gute Partner liefern realistische Prognosen mit Zahlen.
Zitate aus der Folge
„Ein Freelancer ist eine direkte Person mit der Expertise, von dem man eine Dienstleistung erwartet. Und wenn er direkt seine Stunden zur Verfügung stellt, ist er ein Freelancer.“
„Du kannst die besten Produkte der Welt kreieren – wenn du die nicht vermarkten kannst, wenn niemand davon weiß, dann kauft sie niemand.“
„Dann nehmen sie zum Beispiel 2.000 im Monat für die Verwaltung, aber den Experten kaufen die dann für 800 ein.“
„Du hast bei dem Freelancer eine ganz andere Wichtigkeit, weil du einen großen Teil seiner Einnahmen bist.“
„Einer der Vorteile einer Agentur, die mehrere Leute mit der gleichen Expertise haben, ist Krankheitsausfälle – es gibt Vertretung, Vertretung ist gesichert.“
„Die Person ist viel stärker verbunden zum Unternehmen, du spielst eine Rolle in seinem Einkommen, seinem Leben, und für ihn ist wichtig, dass das nachhaltig gut funktioniert und nicht nur die Stunden abgearbeitet werden.“
„Selbst wenn du eine Agentur brauchst, wenn du sie wirklich brauchst, ist jeder wirklich gute Freelancer trotzdem um Welten besser als eine mittelmäßige Agentur.“
„Es gibt viele Agenturen, die verschönern deren Ergebnisse und sagen nicht die Wahrheit. Dementsprechend sage ich: Vertrauen ist absolut wichtig.“
„Eine Agentur ist ein ganzer Werkzeugkoffer plus die Person, die weiß, wie man die Werkzeuge anwendet. Und ein Freelancer ist dieses eine konkrete Werkzeug, das du meistens auch noch selbst anwenden musst.“
Kaum eine Frage bekommen Laurin und Shahab so oft gestellt wie diese: Soll ich für mein Marketing einen Freelancer buchen oder eine Agentur beauftragen? Die Antwort kann über Erfolg und Misserfolg entscheiden – und die beiden können sie aus tiefster eigener Erfahrung geben. Beide haben in Agenturen gearbeitet, eigene Agenturen gegründet, waren selbst Freelancer und haben als Auftraggeber Freelancer-Teams verwaltet. In dieser Folge bekommst du keine Pauschalantwort, sondern eine ehrliche Entscheidungshilfe.
Was unterscheidet Freelancer und Agentur wirklich?
Ein Freelancer ist eine einzelne Person mit einer klaren Expertise, die ihre Stunden direkt zur Verfügung stellt. Eine Agentur ist eine Organisation – oft mit Projektmanagement, Strategie und mehreren Fähigkeiten unter einem Dach. Genau daraus ergibt sich das erste Entscheidungskriterium: Kannst und willst du das, was du auslagerst, selbst organisieren? Wer Freelancer beauftragt, muss sie selbst briefen, verwalten und bewerten. Wer eine Agentur bucht, kauft das Projektmanagement mit ein – und bezahlt diesen Overhead auch.
Die Weiterverkaufs-Falle: Wenn Agenturen Experten einkaufen
Shahab hat bei Google Partneragenturen betreut und kennt ein weit verbreitetes Muster: Eine Kreativagentur baut deine Website, und wenn du danach E-Mail-Marketing oder Google Ads brauchst, bietet sie das einfach mit an – obwohl die Expertise gar nicht im Haus ist. Dann werden extern Freelancer oder Partneragenturen eingekauft, möglichst günstig, damit die Marge stimmt. Konkret: Die Agentur nimmt 2.000 € im Monat, kauft den Experten aber für 800 € ein. Wärst du mit 1.500 € direkt zum echten Experten gegangen, hätte er mehr verdient – und dir bessere Performance geliefert. Der Haken: Viele Agenturen können die eingekauften Freelancer fachlich selbst nicht bewerten. Das Ergebnis ist oft schlechte Performance, für die du den vollen Preis zahlst.
Wichtigkeit als Kunde: Warum drei Stunden im Monat nicht reichen
Ein unterschätzter Faktor: Wie wichtig bist du deinem Freelancer? Wer jemanden nur für drei Stunden im Monat bucht, bekommt die Aufgabe erledigt – mehr aber auch nicht. Ein Freelancer, der 20 Stunden pro Woche für dich arbeitet, ist viel stärker mit deinem Unternehmen verbunden. Du spielst eine Rolle in seinem Einkommen, und ihm ist wichtig, dass es nachhaltig funktioniert. Erst dann bekommst du das, was du eigentlich willst: jemanden, der proaktiv mitdenkt statt nur Stunden abzuarbeiten.
Wann eine (Spezial-)Agentur Sinn ergibt
Zwei Situationen sprechen klar für eine Agentur. Erstens: Stabilität. Wenn ein Kanal wie Google Ads für dein Unternehmen überlebenswichtig ist und immer laufen muss, brauchst du Vertretung bei Krankheit und Urlaub – das kann nur ein Team leisten. Zweitens: fehlende eigene Kompetenz. Wenn du weder Strategie noch operatives Wissen hast und die Qualität der Arbeit nicht bewerten kannst, ist der Aufpreis für eine gute Agentur gut investiertes Geld. Und wichtig: Das ist keine Entscheidung fürs Leben. Viele Unternehmen starten mit einer Agentur, bauen Wissen auf und stellen später auf ein eigenes Freelancer-Team um.
Die Entscheidungsmatrix für KMU
Für einen typischen Mittelständler – etwa 25 Mitarbeiter, 10 Millionen Jahresumsatz – lauten die entscheidenden Fragen: Hast du einen Marketingmanager, oder bist du bereit, das Marketing selbst zu managen? Weißt du, was deine Strategie ist und was konkret getan werden muss? Kannst du klar briefen? Und kannst du gute von schlechter Arbeit unterscheiden? Beantwortest du alle Fragen mit Ja: Freelancer – bei dieser Größe findest du immer jemanden mit genug Kapazität. Bei mehreren Neins: eher Agentur.
Shahabs Ergänzung aus der Praxis: Das Content-Team gehört ins Haus. Wer regelmäßig Content für Social Media und Anzeigen produziert, muss Produkt und Marke leben – das extern einzukaufen ist teuer und funktioniert selten. Spezialgebiete wie Google Ads, SEO oder Affiliate Marketing dagegen kannst du gut mit Freelancern besetzen.
Qualität schlägt Label – und wie du gute Dienstleister erkennst
Am Ende sind „Freelancer" und „Agentur" nur Labels. Ein wirklich guter Freelancer ist um Welten besser als eine mittelmäßige Agentur – auch wenn du eigentlich eine Agentur bräuchtest. Die Entscheidungsmatrix greift erst bei vergleichbarer Qualität und vergleichbarem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Red Flags im Erstgespräch: überzogene Erfolgsversprechen („In einem Monat läuft das fantastisch") und geschönte Reportings. Gute Dienstleister liefern realistische Prognosen mit Zahlen, stellen die richtigen Rückfragen und stehen zu Fehlern. Achte außerdem darauf, dass du vertraglich die Hoheit über deine Werbekonten und Assets behältst. Bei der Suche helfen Freelancer-Plattformen mit detaillierten Bewertungen – die beste Quelle sind aber ehrliche Empfehlungen von befreundeten Unternehmern.
Fazit
Es gibt kein objektives Richtig oder Falsch – aber klare Kriterien: Kannst du selbst organisieren, briefen und Qualität bewerten, fährst du mit Freelancern meist besser und günstiger. Fehlt dir Strategie, Zeit oder Bewertungskompetenz, ist eine gute Agentur ihren Aufpreis wert. Content gehört ins Haus, Spezialwissen kannst du extern einkaufen. Und egal wofür du dich entscheidest: Qualität, Vertrauen und Chemie schlagen jedes Label.
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